Grenzen überwinden – Gemeinsamkeiten entdecken

Vielversprechendes Ausbildungsprojekt mit der Schweiz fand seine Fortsetzung. Erfahrungsaustausch hilft auch bei der Standortbestimmung des gemeinsamen Handwerks in der Schweiz und in Deutschland

 

Zum zweiten Mal konnten jeweils vier Auszubildende aus der Schweiz und aus Deutschland im jeweils anderen Land in die Schornsteinfeger- bzw. Kaminkehrerwelt schnuppern. Die schweizer Kaminkehrerschule in Rorschach bei St. Gallen und FAWIS in Kaiserslautern haben seit dem Jahr 2018 ein ehrgeiziges Austauschprojekt gestartet. In diesem Jahr waren drei Schülerinnen und ein Schüler aus der Schweiz in rheinland-pfälzischen Schornsteinfegerbetrieben unterwegs. In den 14 Tage waren gleichzeitig vier Azubis aus Rheinland-Pfalz in der Ostschweiz in dortigen Betrieben in den Kantonen St. Gallen, Appenzell und Graubünden zugange.

Grenzen überwinden –  Gemeinsamkeiten entdecken

Die Schornsteinfegerbetriebe von Christian Igler, Frank Hübner, Martin Weirich, Albrecht Eberle und Michael Bauer stellten sich der Herausforderung  für die vier Schweizer einen interessanten Einblick in die Berufswelt des deutschen Schornsteinfegers zu geben und natürlich gleichzeitig gute Gastgeber zu sein. Mindestens genauso engagiert waren die Mitarbeiter in den genannten Betrieben beim Versuch, den jungen Azubis aus der Schweiz ein umfassendes Bild vom Tätigkeitsbereich deutscher Schornsteinfeger zu geben. Im Vordergrund standen dabei Abgaswegeprüfungen und Immissionsschutzmessungen. Aber gleichzeitig auch die Installation und Wartung von Rauchwarnmeldern und die Gashausschau.

 

Augenscheinliche Unterschiede stellten die Azubis aus der Schweiz in der kürzeren Arbeitszeit fest und in der Vielzahl von Kundenbesuchen am Tag, die im Tätigkeitsumfang in der Schweiz geringer ausfallen. Ein großer Unterschied besteht auch in den Betriebsgrößen, wobei in manchem schweizer Kaminkehrergeschäft neben dem Firmenchef und Meister mehrere Gesellen und weitere Azubis beschäftigt sind. Zum Tätigkeitsfeld gehört dort neben der kompletten Reinigung von Holz-, Öl- und Gasfeuerstätten auch die Messung an Öl- und Gasheizungen wobei arbeitstäglich im Durchschnitt lediglich sieben Kundenaufträge abzuarbeiten sind.

Grenzen überwinden –  Gemeinsamkeiten entdecken

Die schweizer Azubis – dort Lernende genannt – stellten fest, dass der Schwerpunkt in Deutschland mehr auf der Kontroll- und Überprüfungsseite von Schornsteinen, Abgasanlagen und Feuerstätten liegt. Eher fremd ist den Schweizer Kaminfegern das Thema Energieberatung. Auf großes Interesse stießen die durchgeführten Messungen an mehreren Holzheizungen. Große Unterschiede gibt es nicht nur in den Arbeitszeiten, die in der Schweiz bei 42,5 Wochenstunden liegen, sondern auch in der Höhe der Ausbildungsvergütung, die in der Schweiz bei 800 bis 1200 Schweizer Franken pro Monat liegt. Auch die berufsschulische Ausbildung läuft anders ab. In der Schweiz ist wöchentlich an einem Tag Berufsschulunterricht; wogegen die Schülerinnen und Schüler in Kaiserslautern über mehrere Wochen zum Blockschulunterricht gehen und während dieser Zeit im handwerkseigenen Internat wohnen.

 

Grenzen überwinden –  Gemeinsamkeiten entdeckenDennis Kvasas, Azubi in Worms war in einem Betrieb an der Grenze zu Lichtenstein unterwegs und hat während der zwei Wochen eine Vielzahl von Kamin- und Kachelöfen gereinigt. „In der Schweiz legt man besonderen Wert auf die Reinlichkeit“, erzählte Alisa Bold. „Dort darfst du kein Wohnzimmer verlassen, wenn es nicht penibel staubfrei sauber ist“. Interessante Erfahrungen machte sie auch bei der Wartung und Reinigung von kontrollierten Wohnraumlüftungen.  Auch hier galt das oberste Gebot: Sauberkeit! Unvergesslich wird für Johannes Hübner der Flug mit dem Helikopter bleiben, den man zum Kehren von Schornstein und Kachelofen auf der 2.270 Meter hoch gelegenen Zapporthütte braucht. Ungewöhnliche Wege erfordern auch bedarfsgerechte Fahrzeuge, erfuhr Johannes, als er auf Bergwegen mit dem Quad unterwegs war. Auch Manuel Mechnig berichtet begeistert von seinen vielfältig gemachten Erfahrungen bei der Reinigung von Feuerstätten aller Arten und von großen Zentralheizkesseln beim Nassreinigungsverfahren.Grenzen überwinden –  Gemeinsamkeiten entdecken

 

Nach Feierabend kam natürlich auch das Freizeitvergnügen nicht zu kurz. So hatte Annika Dehren ins „Twenty-One“ – Kaiserslauterns höchstgelegenem Restaurant zur spektakulärer Aussicht eingeladen und den Outdoor-Kletterpark gebucht. Auch in der Schweiz war für die fitten Jugendlichen Klettern und eine Wanderung am Comer-See angesagt.

 

Gefördert und finanziert wurde das Projekt erneut von Movetia, einem schweizer Programm für den Austausch und Mobilität in der Aus- und Weiterbildung und Pendant zum deutschen Austausch-Förderprogramm Erasmus. Verantwortlich für die Vorbereitung und Organisation war in diesem Jahr neben dem erfahrenen schweizer Kollegen Rene Zünd erstmals die Büroleiterin beim LIV in Kaiserslautern, Frau Annika Dehren. Ein herzliches Dankeschön für die beiden und für alle übrigen Verantwortlichen gab es von Handwerkskammer-Vizepräsident Dieter Schnitzer bei der abendlichen Abschlussparty in der „Florian-Stube“ beim LIV. Für alle Beteiligten, so das Resume`   haben sich Zeit, Mühe und Aufwand gelohnt. So war klar, dass sich alle versprachen, das Projekt auch im kommenden Jahr 2020 fortzusetzen.

 

Die Schülerinnen und Schüler erhielten von der Handwerkskammer der Pfalz den begehrten Europass – ein europäisch anerkanntes Zertifikat, dass bei künftigen Arbeitsplatzbewerbungen sehr nützlich sein kann. Und für die deutschen Betriebe verlieh die Handwerkskammer der Pfalz eine Anerkennungsplakette.

 

Doch neben allen Urkunden und wichtigen Ansprachen war wichtigstes Geschenk für die teilnehmenden Azubis und für die Betriebe die überaus herzlichen Begegnungen, die ihren äußerlichen Ausdruck am nächsten Morgen fanden, als beim Abschied am nächsten Morgen die ein oder andere Träne floss. Schließlich waren sich alle sehr ans Herz gewachsen und versprachen sich ein Wiedersehen.