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Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks Rheinland-Pfalz
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Alltagsbilder von Haus & Grund: Schornsteinfeger


Eine Doppelhaushälfte in einer Mittelstadt. Ein 10 Quadratmeter großer Raum, Schreibtisch, Schränke, Regale, viele Akten, auch Zeichnungen. Ein kleiner Tisch mit Messgeräten, auf dem Schreibtisch ein PC mit Monitor, daneben. der Drucker. Es ist das Büro des Bezirksschornsteinfegermeisters. Am Telefon ein Gespräch mit einem Bauherrn. Er erkundigt sich nach der Prüfung seiner Baupläne durch den Schornsteinfeger, wie sie vorgeschrieben ist. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch. Im Wohnzimmer ist ein Kamin vorgesehen, doch der Schornsteinabzug fehlt.

Kein Fehler des Architekten, der Bauherr wollte im Augenblick die Kosten sparen und den Schornstein später nachbauen. Der Meister rät dringend ab. Die Kosten würden ganz wesentlich höher werden als wenn der Abzug gleich mit eingebaut würde. Ungefähre Grössenordnungen werden genannt, der Bauherr wird nachdenklich. Schliesslich entscheidet er sich für den sofortigen Einbau. Der Architekt wird die Zeichnung ändern und in Kürze neu vorlegen. Ein exemplarischer Beratungsvorgang. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Eigentümern und Schornsteinfegern nicht immer ungetrübt. Es sind vor allem Starrheit und Höhe der vom Staat verfügten, gegen die Einwände von Haus & Grund angehobenen Gebühren, das Fehlen jeglichen Spielraumes für Verhandlungen, die Hauseigentümer oft stören. Dabei werden die Schornsteinfeger für Haus & Grund immer wichtiger. Schon seit langem ist das reine Kehren in den Hintergrund getreten, nur noch 50% der jährlichen Gesamtleistung macht es aus. Immer stärker sind Überwachungs-, Kontroll-, Genehmigungs- und Beratungsvorgänge in den Vordergrund getreten und Haben das Berufsbild dieses Handwerks grundlegend verändert.

Der Staat hat den Schornsteinfegern zwangsweise mehr und mehr die Wahrnehmung staatlicher Aufsichtsfunktionen bei Umweltschutz und Brandsicherheit zugewiesen. Bundesimmissionsschutzgesetz, Energieeinspargesetz oder Heizungsanlagenverordnung werden unter vorgeschriebener Mitwirkung von Schornsteinfegern angewandt. Gleichzeitig hat der Staat die Anforderungen, Reglementierungen und Kontrollen bei diesem Beruf nachhaltig erhöht. Die Schornsteinfeger sind eines der am stärksten reglementierten Handwerke in Deutschland. Naturgemäss wirkt sich dies auch auf die Beziehung zu Haus & Grund aus. Der Landkreis dieses Beispiels, von einer nahen, Grossstadt beeinflusst, aber überwiegend ländlich strukturiert mit einigen Mittelstädten, zählt bei etwa 180.000 Einwohnern 20 Bezirksschornsteinfegermeister, die 20 Gesellen und sieben Lehrlinge beschäftigen. In jedem der 20 Bezirke sind etwa 1.200 bis 3.000 Feuerstätten zu überwachen.

Das Land schneidet die Bezirke zu und passt sie von Zeit zu Zeit der Wohnentwicklung an. Es fordert jährlich eine Einnahmen-Überschussrechnung für jeden einzelnen Bezirk, prüft diese und setzt danach die Gebühren landesweit einheitlich als ein ?Muss" fest. Es soll ein angemessenes Einkommen gesichert werden. Das Land ernennt auch in einer eigenen Urkunde die Bezirksmeister und vereidigt sie auf die getreue Wahrnehmung ihrer Pflichten. Die Meistergesellen müssen bis zu 16 Jahre warten, bis das Land ihnen irgendwo einen Bezirk zuteilt. Der Beruf ist zwischen Verbeamtung und freier Handwerkstätigkeit angesiedelt. Abgesehen von Bundesgesetzen, unterliegt das Handwerk dabei Landesrecht.

Die Zahl der Pflichten ist lang. Es sind nicht nur, wie durch Gesetz vorgeschrieben, Kontrollmessungen für Öl und Gas vorzunehmen, es sind auch spätestens alle fünf Jahre die Heizungsanlagen bis hin zu den Schornsteinen im Sinne eines vorbeugenden Brandschutzes in einer ?Feuerstättenschau" auf Feuersicherheit anzusehen. Verweigert oder verzögert, ein Grundeigentümer oder Mieter diese Prüfung oder die laufende Kehrung, ist der Schornsteinfeger verpflichtet, Amtshilfe einzuholen. Es sind hier schon Stilllegungen vorgekommen. Nicht nur bei allen Neubauten ist die Einhaltung der Bauvorschriften nach der Heizungsanlagenverordnung zu prüfen, auch Veränderungen sind zu melden. Hinzu kommen die Vorschriften des Umweltschutzes. Es ist viel Juristerei dabei. Häufig wirken die Schornsteinfeger bei öffentlichen Fördermassnahmen begutachtend und helfen den Grundeigentümern bei der Antragstellung. Und natürlich darf die Kernaufgabe, das Kehren, nicht vergessen werden.

Wie zu Kaisers Zeiten, ist das ?Kehrbuch" zu fuhren, heute in PC-Form, und dem Landrat zur weitumspannenden Kontrolle vorzulegen. Fortbildung wird groß geschrieben. Über die Innung haben sich hier alle Bezirksschornsteinfegermeister freiwillig einem Qualitätsmanagement mit Zertifizierung unterworfen.

Reichtümer können in diesem Beruf nicht erworben werden, wenn auch die Anfangsinvestition für Mess- und Gasspürgeräte, PC-Ausrüstung, Kommunikation, sonstiges Handwerkszeug und den Pkw nur 40.000 Euro beträgt Dafür fallen wöchentlich für den Meister gut 48 Arbeitsstunden und für die im Büro mitarbeitende Ehefrau nochmals 20 Stunden an.

Doch kaum ein Meister möchte von seinem Beruf lassen. Sie alle lieben die Freiheit über den Dächern und die Selbständigkeit ihres Handelns. Sie mögen auch die vielfältige Zusammenarbeit mit Menschen.

Karlheinz Reuer Quelle: Haus & Grund 10/2003

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